Nancy Lee Grahn und Ally McBeal
John Jay Osborn Jr. und Deborah Rosenthal
Sie lässt Ally hinter sich
General Hospitals Alexis Davis ist die beste Anwältin im Fernsehen
Niemand weiß einen Klienten besser zu befragen als General Hospitals Alexis Davis
Einerseits war es ein guter Fall für die Anwältin Alexis Davis: Sie wusste, dass ihr Klient unschuldig war. Und in wie vielen Fällen eines Mordfalls kann man dies mit Sicherheit wissen, vor allem, wenn der Beschuldigte der Verlobte des Opfers ist? Oberflächlich betrachtet sah es schlecht aus. Stefan und Katherine hatten eine bewegte Vergangenheit und schlugen sich, bevor sie starb. Sie hatte ihn beschuldigt, von einer alten Flamme besessen zu sein. Die Tatsache, dass Katherine ihr gesamtes Vermögen in ihrem Testament an Stefan überschrieb, machte die Sache noch schlimmer. Und er hatte schon einmal auf Katherine geschossen, wenn auch versehentlich.
Doch Alexis wusste, dass Stefan unschuldig war. Er hatte Katherine wirklich geliebt und es nicht auf ihr Geld abgesehen. Er hätte sie niemals umbringen können, auch wenn ihr früheres Verhalten als Betrügerin und Erpresserin mit Verbindungen zum kriminellen Milieu ihr Schicksal geradezu heraufbeschwor.
Stefan erklärte unerbittlich seine Unschuldigkeit. Natürlich würde ein Angeklagter alles sagen, um der Todesstrafe zu entgehen, doch Alexis verweilte nicht bei dieser elenden Möglichkeit. Sie wollte nicht daran denken, dass Stefan den langen Weg antreten würde, mit einem Griechisch Orthodoxen Priester an seiner Seite. (Stefan entstammte Russischem Adel.)
Dazu würde es nicht kommen – Alexis würde ihn frei bekommen.
Die Gerichtsverhandlung war ein Tauziehen, wie so oft. Für jede gute Tat von Stefan, die die Verteidigung aufzeigen würde, würde die Gegenseite eine rücksichtslose zur Sprache bringen.
Alexis musste all ihr Können aufbringen, um die Staatsanwaltschaft in ihre Schranken zu weisen. Sie musste erreichen, dass Stefan nicht für ein Verbrechen zum Tode verurteilt werden würde, dass er nicht begangen hatte. Ja, Alexis wusste mit Sicherheit, dass Stefan unschuldig war. Sie wusste dies so genau, da sie selbst Katherine getötet hatte.
Sie war nicht nur Alexis Davis. Dem Gericht war es unbekannt, dass sie eigentlich Natasha Cassadine war, dass uneheliche Kind eines russischen Prinzen und einer Opernsängerin. Sie war außerdem nicht nur eine Anwältin – sie war eine Mörderin. Und sie verteidigte ihren Halbbruder eines Verbrechens, das sie selbst begangen hatte.
Wie hatte es dazu kommen können? Alles hatte angefangen, als Helena, Stefans Mutter, Alexis Mutter die Kehle aufgeschlitzt hatte, als Alexis 5 Jahre alt gewesen war. Als Alexis ihre wahre Identität herausgefunden hatte, plante sie Helena zu töten, um Rache an dem Tod ihrer Mutter zu nehmen und ihr eigenes Leben zu beschützen. Aber die Dinge entwickelten sich in eine verkehrte Richtung, als Stefans Verlobte Katherine und nicht Helena auf Stefans Balkon trat, wo das Brückengeländer gelockert war. Katherine stürzte zu Tode.
Alexis bedauerte das Geschehnis. Niemand hat Gefallen daran, die falsche Person zu töten. Aber jetzt hatte sie die Gelegenheit zur Wiedergutmachung. Sie würde die brillanteste Verteidigung aufbringen, die Port Charles je gesehen hatte und Stefan frei bekommen.
Der Fall war schon beinahe verloren, als es Alexis gelang, sich zurück zu kämpfen und zu beweisen, dass Katherines Testament, in dem sie ihr Vermögen Stefan übertrug, eine Fälschung war. Sie versuchte, den Verdacht auf Helena zu lenken und ihre Strategie war erfolgreich. Nach einer mörderischen zwei Wochen langen Verhandlung erfolgte das Urteil: Der Richter wandte alle Beschuldigungen an Stefan ab.
Und was war mit Alexis’ Verbrechen? Ihre Tat Helena in die Schuhe zu schieben, hatte alle losen Enden zusammengefügt – doch dann tauchte Katherine wieder auf und gab bekannt, dass die Gerüchte um ihren Tod nur aufgebauscht waren. Helena hatte ihre Finger wieder mit im Spiel. Sie hatte Katherine außer Sicht gebracht, um zu erreichen, dass ihr eigener Sohn des Mordes an Katherine beschuldigt werden würde.
Auch wenn Helena diese Schlacht gewonnen hatte, würde Alexis den Krieg weiterführen. Er war noch nicht zu Ende.
Alexis Davis ist die beste Anwältin, die im Fernsehen verkörpert wird. Sie ist die Rechtsanwältin, die jeder beauftragen würde in General Hospital, ABC’s 38 Jahre alter Nachmittags-Soap. Alexis verfügt über mehr juristisches Können als die Anwälte in Ally McBeal und mehr Persönlichkeit als die Anwälte in Law & Order. Und die Charaktere in The Practice haben es mit ihren Fällen immer sehr einfach, verglichen zu ihr.
Es gibt mehrere Gründe, um Alexis in Aktion zu sehen. Erstens weist sie vielschichtige Beziehungen zu ihren Klienten auf. Sie kennt die meisten von ihnen, bevor sie ihren Fuß in ihr Büro setzen. Ob sie es weiß oder nicht, aber es ist eine Tatsache, dass sie mit den meisten ihrer Mandanten in irgendeiner Weise in Beziehung steht. Daher rufen ihre Fälle immer Erinnerungen an die Vergangenheit hervor, der sich Alexis stellen muss, um auf der Siegerstraße zu sein. Während sie ihre Strategie entwickelt, muss sie ihre Klienten davon überzeugen, dass sie deren Vergangenheit – oder auch die ihre – nicht gegen sie verwenden wird und das sie wenigstens dieses eine Mal auf ihrer Seite stehen wird. Wie jeder hervorragende Anwalt muss auch Alexis Davis ein Therapeut sein, der die Motive und Ängste der Mandanten versteht.
Anwälte aus dem Hauptabendprogramm arbeiten anders. Deren Welt ist wesentlich einfacher. Der Mandant kommt herein, präsentiert sein Problem und tritt dann bis zur Gerichtsverhandlung in den Hintergrund. Die Geschichten beinhalten so gut wie nie eine Beziehung zwischen dem Mandanten und dem Anwalt. Stattdessen geht es um Beziehungen zwischen den Hauptdarstellern in der Serie – den anderen Anwälten. Bei Alexis hat das Anwalt-Mandanten-Verhältnis eine Tiefe und ist voller Überraschungen.
Außerdem geht Alexis ihre Fälle sehr professionell an. Sie betreibt eine große Anzahl an Nachforschungen. Wenn es noch irgendwo aus einer Pistole raucht, kann man versichert sein, dass Alexis es herausfindet. Wenn es darum geht, einen nachteiligen Zeugen im Ansehen zu schaden, ist Alexis da und erledigt dies. Ihre wahrscheinlich beste Eigenschaft ist ihre Bereitschaft ihren Mandanten zuzuhören, sie in ihre Verteidigung mit einzubeziehen, sie mit bohrenden Fragen auf die Probe zu stellen und gleichzeitig den Eindruck zu vermitteln, vollstes Einfühlungsvermögen zu besitzen.
Das Format Soap Opera bietet Alexis ausreichend Zeit, um an ihren Fällen zu arbeiten. Eben diese Zeit gibt sie ihren Klienten, um zu antworten und nachzudenken. Sie versteht es, die Körpersprache ihrer Mandanten zu deuten. „Ich glaube, es gibt da noch etwas mehr“, würde Alexis sagen und dann ihren Klienten so lange anstarren, bis er oder sie die kritischen Puzzleteile ausfüllt. Diese Fähigkeit können andere Anwälte von Port Charles’s herausragendster Anwältin lernen.
Viele Anwälte behaupten, dass juristische Posten in Soap Operas zu unglaubwürdig sind, um seine Zeit damit zu vergeuden. Doch man sollte an all die unglaublichen Geschichten denken, die man auf den Bürofluren zu hören bekommt. „Das Leben ist seltsamer als die Fiktion“, sagt der New Yorker Anwalt Daniel J. Kornstein von Kornstein, Veisz & Wexler, ein renommierter Shakespeare-Geisteswissenschaftler und ehemaliger Präsident des Law & Humanities-Instituts. „Shakespeare schrieb über das Leben und so ist es auch mit den Soaps.“
Ganz nebenbei trägt Alexis Davis für einen bedeutungsvollen Beitrag für die juristische Vereinigung bei: Sie sorgt für deren guten Namen. „Ich habe immer Recht und ich gewinne jedes Mal. Und wenn ich doch verlieren sollte, sieht zumindest die Gegenseite auch nicht gut aus“, sagt Nancy Lee Grahn, die Schauspielerin, die Alexis spielt.
Vergleicht man Alexis mit anderen weiblichen Anwälten aus Sendungen im Hauptabendprogramm wie Ally McBeal, kann man die Unterschiede nicht ignorieren. Alexis hat hohe Grundsätze, ist selbstsicher, stark gefühlsbetont und professionell wagemutig. Und selbst wenn sie einmal etwas skrupellos und verwerflich vorgeht, sind ihre Missetaten doch eher unbedeutend im Vergleich zu den Abscheulichkeiten manch anderer Charaktere in der Show.
Soap Operas machen Anwälte menschlicher und zeigen sie als entscheidende Spieler in der Geschäfts- und Gesellschaftswelt. Am bemerkenswertesten ist es, dass die Soaps damit eine weitaus höhere Zielgruppe ansprechen, als jede Marketingabteilung es je könnte. In der vergangenen Saison hatte General Hospital beispielsweise in der Woche im Durchschnitt 1.7 Millionen Zuschauer unter Frauen der Altersgruppe 18-49, der wichtigsten Zielgruppe von Soap Operas.
„Ich habe schon hunderte von Zuschriften von Mädchen bekommen, die gerade die High School besuchen und die mir schreiben, dass sie wegen mir eine juristische Laufbahn anstreben“, grübelt Grahn. „Sie sagen, „Ich weiß, dass es verrückt ist, da Sie eine Schauspielerin sind, aber Sie zeigen, dass es eine so tolle Sache ist, Anwältin zu sein.“
Übersetz von Doris !

Alte Version
Nancy Lee Grahn
Pressearchiv
Leave your response!